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Die Einteilung nach DIN 8580

Nach DIN 8580 lassen sich alle Fertigungsverfahren danach einteilen, wie sich der Zusammenhalt eines Werkstücks ändert. Sie kennt sechs Hauptgruppen: Urformen, Umformen, Trennen, Fügen, Beschichten und das Ändern von Stoffeigenschaften. Beim Urformen entsteht ein fester Körper aus formlosem Stoff, beim Umformen bleibt der Zusammenhalt erhalten, beim Trennen wird er aufgehoben. Drehen und Fräsen sind Trennverfahren.

Innerhalb des Trennens unterscheidet die Norm unter anderem das Zerteilen und das Spanen. Spanen heißt, dass eine Schneide Material in Form von Spänen abträgt. Ist die Geometrie der Schneide bekannt und festgelegt, gehört das Verfahren in eine eigene Gruppe, die DIN 8589 beschreibt; das Schleifen mit seinen vielen kleinen Körnern zählt nicht dazu. Die Reihe gliedert sich so: Teil 1 beschreibt das Drehen, Teil 2 das Bohren, Senken und Reiben, Teil 3 das Fräsen.

Die Einteilung hat einen praktischen Nutzen. Wer ein Verfahren mit dem Namen der Norm benennt, meint dasselbe wie sein Gegenüber, in der Zeichnung ebenso wie im Angebot.

Schema der Einteilung der Fertigungsverfahren nach DIN 8580 Baumdarstellung: Die sechs Hauptgruppen der Fertigungsverfahren sind Urformen, Umformen, Trennen, Fügen, Beschichten und Stoffeigenschaften ändern. Drehen und Fräsen gehören zur Hauptgruppe Trennen, dort zu den spanenden Verfahren mit Schneiden bestimmter Geometrie, die die Reihe DIN 8589 beschreibt. Drehen steht in Teil 1, Fräsen in Teil 3. Fertigungsverfahren nach DIN 8580 Urformen Umformen Trennen Fügen Beschichten Stoffeigenschaften ändern Zerteilen Spanen mit Schneiden bestimmter Geometrie (DIN 8589) Drehen · DIN 8589-1 Bohren, Senken, Reiben · DIN 8589-2 Fräsen · DIN 8589-3 weitere Verfahren der Reihe DIN 8589 weitere Gruppen: Spanen mit unbestimmter Schneidengeometrie, Abtragen, Zerlegen, Reinigen
Schema der Einteilung: Drehen und Fräsen sind Trennverfahren und stehen in der Reihe DIN 8589.

Drehen: Schnittbewegung am Werkstück

Sinngemäß nach DIN 8589-1 ist Drehen ein Spanen mit kreisförmiger Schnittbewegung. Die Vorschubbewegung liegt quer dazu, und die Drehachse der Schnittbewegung behält ihre Lage zum Werkstück bei. Einfacher gesagt: Das Werkstück dreht sich, das Werkzeug wandert an ihm entlang.

Daraus folgt, was ein Drehteil auszeichnet. Alle Flächen, die entstehen, gehören zur selben Achse: Außen- und Innenflächen, Planflächen an Absätzen, Kegel, Einstiche und Gewinde. Weil sie dieselbe Achse teilen, lassen sich Durchmesser und Lauf zueinander festlegen, ohne dass die Zeichnung den Bezug wechseln muss. Darum beginnt die Zeichnung eines Drehteils mit der Bezugsachse, und darum beziehen sich ihre Lauf- und Lageangaben fast immer auf sie.

Drehen auf einen Blick

  • Das Werkstück rotiert, das Werkzeug folgt der Kontur.
  • Alle entstehenden Flächen liegen um eine Achse.
  • Bezug in der Zeichnung: die Achse.
  • Typische Teile: Flansch, Buchse, Bolzen, Welle.

Fräsen: Schnittbewegung am Werkzeug

Beim Fräsen trägt das Werkzeug die kreisförmige Schnittbewegung. Die Vorschubbewegung verläuft senkrecht oder schräg zur Werkzeugachse (DIN 8589-3), das Werkstück liegt in der Regel fest. Weil das Werkzeug die Bewegung vorgibt, sind Flächen in beliebiger Lage möglich: ebene Flächen, Taschen, Nuten, Kanten und Konturen.

Eine feste Achse gibt es bei solchen Teilen nicht. Lage und Form beziehen sich auf Flächen, die gemeinsam ein Bezugssystem aufspannen. Wie sich das Fräsen in seine Verfahrensvarianten gliedert, ist nicht Gegenstand dieser Seite; für die Einordnung genügt der Vergleich mit dem Drehen.

Fräsen auf einen Blick

  • Das Werkzeug rotiert, das Werkstück liegt fest.
  • Flächen, Taschen, Nuten und Kanten in beliebiger Lage.
  • Bezug in der Zeichnung: Flächen als Bezugssystem.
  • Typische Teile: Gehäuse, Platte, Lagerbock.

Wo sich die Verfahren überschneiden

Nicht jede Fläche gehört zu genau einem Verfahren. Eine Bohrung in der Stirnfläche einer Welle lässt sich drehen oder bohren, eine Planfläche kann gedreht oder gefräst werden, eine Nut kann ein Fräser erzeugen oder, wenn sie um das Teil läuft, ein Drehwerkzeug. Bohrungen, Planflächen und Nuten sind also derselbe Teilbereich eines Teils, der mit einem anderen Verfahren entsteht, sobald sich die Lage ändert.

Für die Zeichnung ist das unerheblich, denn sie beschreibt das Ergebnis und nicht den Weg dorthin. Maß, Lage, Form und Oberfläche stehen mit ihrem Bezug in der Zeichnung; welches Verfahren sie erzeugt, steht dort nicht.

In dieser Überschneidung taucht der Fachbegriff Drehfräsen auf. Er beschreibt Verfahren, bei denen sich Werkstück und fräsendes Werkzeug gleichzeitig drehen, sodass die Drehbewegung des Werkstücks zur Fräsbewegung beiträgt. Wie eng der Begriff gefasst wird, hängt von der Quelle ab. Für Ihre Anfrage zählt die Frage nach dem Begriff nicht: Die Zeichnung beschreibt Merkmale, keine Verfahrenskombinationen.

Drehen und Fräsen im Vergleich

Vier Merkmale genügen, um ein Teil einem der beiden Verfahren zuzuordnen.

Drehen und Fräsen: Bewegung, Bezug, Merkmale und typische Teile
DrehenFräsen
Was rotiertdas Werkstückdas Werkzeug
Bezug in der Zeichnungeine AchseFlächen als Bezugssystem
Typische MerkmaleDurchmesser, Absätze, Kegel, Einstiche, GewindeFlächen, Taschen, Nuten, Kanten, Konturen
Typische TeileFlansch, Buchse, Bolzen, WelleGehäuse, Platte, Lagerbock, Halter

Welche Verfahren wann gewählt werden

Drei Fragen helfen bei der Einordnung eines Teils, bevor es gezeichnet oder angefragt wird.

01

Form

Verläuft die Funktion um eine Achse, liegt das Drehen nahe. Liegt sie an Flächen, liegt das Fräsen nahe. Der Wegweiser macht diese Entscheidung nachvollziehbar.

02

Menge

Bei wiederkehrenden Teilen lohnt es sich, die Zeichnung mit einer einzigen Bezugsstrategie anzulegen. Jeder Wechsel zwischen Achse und Flächen verlangt zusätzliche Bezugsangaben und führt häufiger zu Rückfragen.

03

Genauigkeitsbedarf

Sollen zwei runde Flächen zueinander fluchten, spricht das für eine gemeinsame Achse als Bezug. Hängen runde Merkmale an einem Block, bezieht man sie auf dessen Flächen.

Keine der drei Fragen hat eine allgemein gültige Antwort. Sie machen sichtbar, worauf es beim einzelnen Teil ankommt, und lassen sich in jeder Anfrage in ein bis zwei Sätzen beantworten.

Quelle: DIN 8580 (Systematik der Fertigungsverfahren), DIN 8589-1 (Drehen), DIN 8589-3 (Fräsen). Die Nummern verweisen auf die Normen; die Beschreibungen hier sind sinngemäß wiedergegeben und ersetzen deren Wortlaut nicht.

Fachbegriffe kurz erklärt

Fünf Wörter kommen auf dieser Seite und in jeder Zeichnungsdiskussion immer wieder vor.

Zerspanen
Abtragen von Material in Form von Spänen, bis die gezeichnete Form entsteht.
Schnittbewegung
Die Bewegung, die den Span abhebt. Beim Drehen führt sie das Werkstück aus, beim Fräsen das Werkzeug.
Vorschubbewegung
Die Bewegung, die immer neues Material an die Schneide bringt und so die Fläche entstehen lässt.
Bezugsachse
Die Achse, auf die sich Durchmesser, Lauf und Lage der Absätze in einer Drehteil-Zeichnung beziehen.
Bezugssystem
Mehrere Bezüge, meist Flächen, die gemeinsam Lage und Richtung im Raum festlegen.

Häufige Fragen

Der Begriff beschreibt das Zusammenwirken von Dreh- und Fräsbewegung bei einem Teil. Für die Zeichnung zählt, welche Merkmale entstehen, nicht der Fachbegriff.

Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026

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