Runde Merkmale an gefrästen Teilen: Bohrung, Zapfen, Planfläche
Bohrungen, Zapfen, Absätze und Planflächen am prismatischen Teil: ihre Bezüge in der Zeichnung und was gilt, wenn mehrere Teile zusammengehören.
Bohrungen und Zapfen am prismatischen Teil
An einem Block gibt es keine Achse, auf die sich alles bezieht. Eine Bohrung oder ein Zapfen hat zwar eine eigene Achse, doch ihre Lage legt die Zeichnung von den Bezugsflächen aus fest. Für jedes runde Merkmal braucht sie drei Dinge: die Lage als Maße zu den Bezugsflächen, im Bild x und y, den Durchmesser mit Toleranzklasse, wenn das Merkmal passen soll, und die Tiefe bei einer Bohrung oder die Höhe bei einem Zapfen.
Sollen zwei runde Merkmale zueinander fluchten, genügt die Lage allein nicht. Dann nennt die Zeichnung eine Koaxialität mit einem Bezugselement, etwa der Achse der größeren Bohrung. Ein Bezug auf die Achse eines runden Merkmals ist an Frästeilen üblich, ändert aber nichts an der Ordnung: Die Flächen bleiben das Bezugssystem, die Achse ist ein zusätzlicher Bezug.
Die typische Lücke: Die Bohrung ist von einer Kante aus bemaßt, die selbst nicht als Bezug gekennzeichnet ist. Dann bleibt offen, welche Fläche gilt, sobald Toleranzen im Spiel sind.
Absätze und Planflächen
Absätze, Stufen und Anschläge sind Flächen in mehreren Ebenen. Jede braucht ein Maß zu einem Bezug, meist zur obersten Auflagefläche. Eine Planfläche steht senkrecht zur Achse eines runden Merkmals, etwa als Anschlag an einem Zapfen oder als Grund einer Senkung. Für sie zählen drei Eigenschaften: die Höhe, die Ebenheit und, wenn die Fläche anschlagen soll, die Rechtwinkligkeit zur Achse.
Ebenheit, Rechtwinkligkeit und Parallelität sind Form- und Lageangaben nach ISO 1101. Als Zeichnungselemente tragen sie ein Symbol, einen Wert und, wo nötig, einen Bezug. Fehlt der Bezug, lässt sich die Angabe nicht eindeutig lesen. Bei Taschen und Absätzen betrifft eine zweite Frage die Ecken: scharf oder gerundet? Ein Eckenradius ist ein Maß der Zeichnung; steht nichts da, bleibt die Ecke offen und das Angebot fragt nach.
Das Bezugssystem: A, B und C
Ein Block im Raum hat sechs Bewegungsmöglichkeiten, drei Verschiebungen und drei Drehungen. Ein Bezugssystem legt sie fest, und zwar in einer Rangfolge: Der erste Bezug A ist meist die größte Auflagefläche und bindet drei dieser Möglichkeiten. Der zweite Bezug B steht rechtwinklig dazu und bindet zwei, der dritte Bezug C bindet die letzte (ISO 5459).
Für die Zeichnung heißt das: Jedes Maß zu einer Bohrung oder einem Zapfen nennt, von welchem Bezug es ausgeht, und die Reihenfolge A, B, C ist nicht beliebig. Wer sie vertauscht, ändert, auf welche Fläche sich eine Toleranz stützt.
- A: Auflagefläche, bindet drei Möglichkeiten
- B: Anlagefläche, bindet zwei
- C: zweite Anlagefläche, bindet eine
Rundheit, Zylinderform und Koaxialität
Für runde Merkmale kennt ISO 1101 eigene Angaben. Die Rundheit beschreibt, wie genau ein Querschnitt kreisförmig ist, die Zylinderform erweitert das auf die ganze Länge einer Bohrung oder eines Zapfens. Die Koaxialität verlangt, dass zwei runde Merkmale auf derselben Achse liegen, und braucht deshalb stets ein Bezugselement. Rundheit und Zylinderform kommen dagegen ohne Bezug aus, weil sie nur das Merkmal selbst beschreiben.
Wo die Zeichnung keine dieser Angaben macht, gilt für die runden Merkmale nur ihr Maß. Das ist in Ordnung, solange die Funktion nichts anderes verlangt. Verlangt sie mehr, etwa einen Lagersitz oder eine Dichtfläche, gehört die Angabe in die Zeichnung, nicht in die Rückfrage.
Wenn mehrere Teile zusammengehören
Ein Block mit runden Merkmalen ist oft Teil einer Baugruppe: Eine Welle läuft in der Bohrung, ein Deckel schließt das Gehäuse. Dann passen mehrere Teile zusammen, und die Zeichnung des einen muss zu der des anderen stimmen, mit gleichem Bezug und gleichem Zeichnungsstand. Zusammengehörige Teile gehören mit einer Teileliste in eine Anfrage, damit ihre Passmaße gemeinsam angesehen werden.
- gleicher Bezug in allen Zeichnungen
- gleicher Zeichnungsstand
- Teileliste mit Zuordnung der Passpaare
Angaben für die Anfrage: Frästeil mit Rundmerkmalen
Kennzeichnen Sie in der Zeichnung die Bezugsflächen und geben Sie die Lage jedes runden Merkmals als Maß zu ihnen an. Nennen Sie in der Anfrage die Zahl der Teile, den Werkstoff und die Stückzahl. Der Wegweiser ordnet ein Teil mit wenigen runden Merkmalen als Frästeil mit Rundmerkmalen ein und nennt die Angaben A3 und A4.
- Bezugsflächen gekennzeichnet
- Lage der runden Merkmale als Maße
- Teilezahl, Werkstoff, Stückzahl
Häufige Fragen
Auf eine Bezugsfläche statt auf eine Achse; der Bezug steht im Toleranzrahmen oder im Maß. Ein zusätzlicher Bezug auf die Achse eines anderen runden Merkmals ist möglich.
Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026
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